Story-Samstag: Verbotene Geschäfte

Ich mache wieder mit beim Story Samstag von Tante Tex. Wir sollen ein Szenario beschreiben, in dem Schusswaffen komplett verboten sind.

Alles hatte begonnen, als Schusswaffen weltweit verboten wurden. Natürlich vernichtete man die meisten , doch einige wenige wurden in Museen ausgestellt, als Mahnung sozusagen, oder heimlich von Privatpersonen in den skurrilsten Verstecken aufbewahrt und genau hinter denen war ich her, schließlich brachten Waffen jetzt ein Vermögen ein.

Ich klopfte mit dem goldenen Löwenkopf an die Tür und wartete nervös einen Moment ab. Dann hörte ich Schritte und ein Mann in kariertem Morgenmantel und gewaltigem Schnauzbart öffnete mir.

„Ja, bitte?“ , grummelte er.

„Hallo Herr Großmann, ich wollte ihren Teppich zum Reinigen abholen.“

Ich lächelte mein freundlichstes Lächeln, während er meine schmale Figur musterte. Den wahren Teppichreiniger hatte ich für einen Bruchteil des Geldes, was ich mit der Waffe einnehmen würde, bestochen und war mit seinem Firmenauto zu der Villa geeilt.

„Ich hatte einen kräftigen Mann erwartet“, erwiderte Herr Großmann.

„Glauben Sie etwa, eine Frau kann nicht genauso gut diesen Job machen?!“, fragte ich empört.

Herr Großmann zuckte mit den Schultern und ließ mich hinein. Wir gingen einen mit Kronleuchtern beleuchteten Flur entlang und er dirigierte mich ins Wohnzimmer. Schon fertig aufgerollt in einer Ecke stand der Teppich bereit. Durch den Cousin seines Neffen wusste ich, dass er hier in einer goldenen Schmuckschatulle, die hinter Moby Dick im Buchregal lag, seine Schusswaffe aufbewahrte.

Ich drehte mich zu ihm um und lächelte ihn freundlich an. Zum Glück war er anscheinend alleine im Haus.

„Hätten Sie wohl noch ein Glas Wasser für mich, bevor ich diesen schweren Teppich trage?“, fragte ich ihn.

Er schien nicht begeistert, aber drehte sich um, um mir meine Glas zu holen.

Ich ging zum Buchregal, griff mir schnell Moby Dick und andere dicke Werke und holte die Schmuckschatulle heraus. In ihr befand sich tatsächlich die Waffe und ich versteckte sie unter meiner Kleidung und brachte alles wieder an seinen Platz.

Als ich wieder beim Teppich stand, kam Herr Großmann mit dem Wasser. Ich kippte es hinunter, hievte den schweren Teppich hoch und beeilte mich, zu verschwinden.

Im Firmenauto wartete Luisa auf mich, die mir beim Verschachern der heißen Ware half. Sobald ich bequem im Auto saß, wendete sie sich mir mit ernstem Gesichtsausdruck zu.

„Sophie, ich muss dir was erzählen“, sagte sie leise.

„Was ist denn los?“, fragte ich beunruhigt.

„Unser letzter Kunde hat mit seiner Waffe auf einen Einbrecher geschossen. Er wird es zum Glück überleben, aber ich kann es trotzdem nicht fassen“, antwortete sie mir.

Für einen Moment sagte ich gar nichts und dachte nur an die Waffe, die ich geklaut hatte.

Luisa unterbrach das Schweigen.

„Er ist das erste Schusswaffenopfer seit einem Monat. Unser Kunde wird uns nicht verraten, aber ich glaube, ich kann das nicht mehr.“

Ich nickte. Es war okay, wenn die Waffen heimlich zuhause gesammelt wurden und die meisten unserer Kunden waren reiche, alte Männer, die genau das taten, aber niemand konnte uns garantieren, dass sie jemand nicht doch vielleicht auch benutzte.

Ich seufzte.

„Also gut, dann beschränke ich mich ab jetzt wieder darauf, als Hundesitterin zu arbeiten. Was machen wir mit der Waffe?“

Luisa nahm sie mir ab.

„Wir vernichten sie.“

Wir fuhren weiter die Straße hinab, während ich daran dachte, morgen vermutlich schon wieder feuchte Hundenasen im Gesicht und weiches Fell unter den Händen zu haben.

4 Gedanken zu “Story-Samstag: Verbotene Geschäfte

  1. Oh – Lieber die feuchten Fellnasen und das weicht Fell als die harten kalten Waffen – aber zur Selbstverteidigung würde ich es doch ganz gerne zu Hause haben. Probieren würde ich es auch mal. Das Gefühl würde mich mal interessieren. 🙂

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